Der erste Teil des Workshops heute, am Vormittag des 05.03.2010, wurde von Herrn Rümke (www.zen-leadership.de) geleitet. In diesem haben wir -und ich bin immer noch erfüllt davon- tatsächlich Zen-Meditation (Zazen) praktiziert. Es erfolgte eine Einführung in die Praxis und Geschichte des Zen für Anfänger und ich konnte für mich eine Brücke schlagen zu meinen ersten Meditationserfahrungen vor 11 Jahren in Rütte (http://www.duerckheim-ruette.de/). Ich wusste, dass sich in letzter Zeit Meditation wieder in meinem Leben Platz zu machen versuchte, waren doch die letzten Jahre eher von Kopf-Arbeit und Studium geprägt -und das vorrangig!
Dürckheim hatte immer wieder davon gesprochen, dass es auf darauf ankommt, einen Spür-Sinn zu entwickeln. Wenn ich diesen Spürsinn in den Jahren seitdem ich in Rütte war auch nie ganz verloren habe, so ist mir über die intensive Beschäftigung mit den Geistes- und Sozialwissenschaften ein wenig die Wertschätzung für das wahrhaft Individuelle etwas in den Hintergrund getreten. Oft wurde es als unrational - auch von mir selbst- bewertet oder im Rahmen einer Subjettheorie als "Selbsttechnologie" (vgl. hierzu die Arbeiten von Nikolas Rose) abgetan. Wie das Individuelle jedoch Bedeutung gewinnt, geschieht nach wie vor nicht ausschließlich auf einer Ebene des Messens, mental oder einzig und allein im Rahmen eines Diskurses, sondern auf einer Ebene des Spürens. Deshalb sagen Menschen oft: "Er/sie ist authentisch!" und wenn man sie dann fragt, woran sie das festmachen sagen sie "Ach, ich weiß nicht, das spürt man halt, das ist ihre/seine Ausstrahlung."
Für mich war die Herausforderung der letzten Jahre gewesen, poststrukturalistische Sozialwissenschaft ernst zu nehmen - weil mein Intellektueller sie überall anzuwenden weiß - und gleichzeitig den Spürsinn nicht ganz zu verlieren, der "das Harte mit dem Weichen vereint", wie es in "Tiger and Dragon" heißt, der Festigkeit gewinnt durch das Sensible, das Verletzbare, der seine Stärke und Unumstößlichkeit im Öffnen nach innen hin entfaltet. Ich bin erinnert an die Geschichte des Schwertkämpfers Iori aus Dürckheims Buch "Die wunderbare Katze", in der der Meister den hochmütigen Schüler durch seine bloße Präsenz und Klarheit kampflos besiegt. Die Konsequenz, die ich aus diesen Wahrnehmungen ziehe ist, dass ich neben meiner sportlichen Betätigung (es gibt übrigens auch ein Buch von Dürckheim über "Sportliche Leistung und menschliche Reife") auch wieder verstärkt spirituelle Praxis in meinen Alltag integrieren will und muss, ganz gemäß dem Zitat von Carl Gustav Jung: "In the 21st century human beings will be spiritual or will not be at all."
Zurück in den Präsentationsraum: Das Training war sehr klar und praktisch zugleich aufgebaut: wir saßen 3 mal: erst nur ganz kurz, dann 3 Minuten und das dritte Mal 15 Minuten. - Der Geschmack des "Wesentlichen" war neben der Theorieauffrischung in dieser Art des Verweilens zumindest für mich wieder deutlich spürbar.
Hin und wieder gab es Kommentare der Skepsis, die auch danach fragten, wie diese Praxis nun zu verbinden sei mit dem Anspruch, die Praxis der Achtsamkeit in eine Organisationskultur einzubauen. Alles in allem wurden die Zusammenhänge jedoch deutlich. In der Workshopbeschreibung stand ja: "...Dabei geht es auch um die Koppelung der Grundannahmen beider Strömungen in einer Kombination aus Bewusstseinstraining und Hirnforschung." Die beiden Strömungen waren: „Corporate Spirituality“ und „The Neuroscience of Management". Siehe die detaillierte Beschreibung de Workshops:
Die leckere Mittagspause wurde mit einem kleinen Spaziergang zum See gekrönt. Siehe Bild oben.
Nach der Mittagspause wurde das Zen-Training mit 15 Minuten Sitzen beendet und Herr Marco Hubert Dipl.-Kfm. vom Lehrstuhl für Marketing der ZU übernahm das Wort: er stellte den Ansatz der Neuroeconomics, speziell aus der Perspektive der Konsumforschung und des Marketings vor.
Der wissenschaftlich anspruchsvolle, aber leicht zugängliche Vortrag war sehr erhellend, stellte an das Endziel des Workshops, beide Ansätze zusammenzudenken hohe Anforderungen. Nach langen, fruchtbaren Inputs und Diskussionen, an denen Herr Rümke mit teilnahm, einigte sich die Gruppe darauf, das Thema miteinander weiterzuverfolgen und einen Think-Tank zu bilden, der sich über eine Mailingliste und ein Blog in Zukunft verständigen soll. Am Ende soll ein erneutes Treffen stehen, in dem es tatsächlich die Möglichkeit geben soll, Theorien der Organisation, spirituelle Lehren -besonders der Zen-Tradition- sowie Ansätze der Neuroeconomics in ein praktisches Konzept für eine integrative Unternehmens-/Organisationskultur münden zu lassen und die verschiedenen Perspektiven zusammenzuführen.
Ich bin gespannt, wie es mit der Gruppe weitergehen wird und hoffe, dass der Austausch lebendig und ertragreich bleibt!
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